PRINZ PI - TOUR-UPDATE
Tag 12
Wir kommen auf das Festival. Dort treffen wir uns mit ein paar der Musikern aus Dar es Salaam. Das "Festival" ist etwas kleiner als wir gedacht haben. Es klang nach 10.000 Leute Minimum, aber es ist ein paar Nummern kleiner. Irgendwie rockt das ganze nicht so. Eigentlich wollten wir auch Fid treffen, aber wir erreichen ihn nicht.
Der Typ, der uns dorthin fährt, ist definitiv lebensmüde. Zu Beginn der Fahrt stellt er die Stoppuhr an und dann drückt er aufs Gas. Die Straßen sind sehr eng und kurvig und hügelig und schlecht und voll mit rutschigem Sand und uneinsehbar. Und der Pfosten brettert mit Vollgas durch, stets hupend, lachend und das Sperrdifferential der Hinterachse des Jeeps für bessere Slides ausschaltend. Da uns beiden nicht sonderlich gut ist - die Empfehlung von Bob Marley, in das Restaurant mit "frischem" Fisch zu gehen, war kein guter Rat - sind wir zu schwach, um zu protestieren.
Mir fällt auf, das viele Leute hier auf guten, alten Vespa unterwegs sind. Sogar ein paar Schwalben mache ich aus, in den roten Sandwolken. Die Vespafahrer tragen als Motorradhelme solche Schutzhelme vom Bau, natürlich ohne sie zu schließen.
Irgendwie enden wir wieder in einer Bar, wo es Safari Lager gibt und essen dazu ein Hühnchen, das in seiner Verdächtigkeit dem Fisch vom Vortag in nichts nachsteht. Dann landen wir spät nachts in der Unterkunft und alles versinkt in einem Nebel aus grausig die Augen rollenden Fischköpfen, brauen Straßenhühnern und dem Lachen des Fahrers, der in einem Auto aus Totenköpfen eine endlose Landstraße entlangfährt und Embassy Zigaretten raucht. Mein einer Fuß hängt aus dem Moskitonetz raus, wie am Morgen an den etwa 15 neuen Stichen merke.
Tag 13
Es geht zurück nach Hause. Der Flughafen auf Sansibar ist so krass oldschool, dass es keinen Scanner für Gepäckstücke gibt. Wir müssen dem Inhalt einem mürrischen Beamten zeigen, der alles anfaßt. Ich gebe ihm meine Schmutzwäsche und lasse ihn die ausgebiebig studieren. Als er immer noch nicht zufrieden ist, zeige ich ihm meine Strandsandalen. Bei dem Anblick einer Nagelschere zucken seine Augenbrauen und beflügelt von dem Erfolg durchkämmt er auch meine Jeans, findet aber nur ein paar zerknüllte Schilling, die er schnell einsteckt. Ich sehe das, weil er in meiner Jeanstasche eine Faust ballt und die Hand dann schnellt rauszieht und uns davonwinkt.
In der Wartehalle ist die Hälfte der Deckenverkleidung abgefallen und man sieht ein dreckiges Gewirr aus Kabelage. Die Gates sind mit fotokopierten Din A4 Blättern gekennzeichnet. Der Pilot einer Cessna kommt kurz in die Halle hineingerannt, er holt sich Getränke. Dann spurtet er wieder zurück über das Rollfeld zu seiner Maschine. Irgendwann werden wir aufgerufen und dackeln über das Rollfeld zu der Maschine in den grün-gelben Farben der Airline. Innen drin frage ich nur zur Sicherheit nochmal, ob das auch der Flug nach Dar es Salaam sei. "This? No, the blue one, the blue one" Also wieder raus über das Rollfeld zu einer etwas weiter hinten wartenden blauen Maschine. Die Leute laufen alle über das Rollfeld, keiner sagt wohin und wolang.
In Dar es Salaam müssen wir 6 Stunden auf den nächsten Flug warten, der uns nach Amsterdam bringt. Das Hühnchen von Gestern meldet sich und wir retten uns in eine hart klimatisierte Lounge am Flughafen names Flamingo Club. Anscheinend aus diesem Grund ist die ganze Bar in ein flamingofarbenes Licht getaucht, sogar der Fernseher hat einen derartigen Farbstich. Immerhin haben wir sogar Strom, auch wenn die "Power" Lampe nicht leuchtet, sondern eher rumflackert.
Mein Zahn tut nun richtig weh. Der Flug wird bestimmt super. Ich gucke nach Schmerztabletten, finde aber keine. Die Klimalanlage ist auf volle Pulle in der Lounge. Darum friere ich und trage eine Kapuzenjacke. Weil ich die trage, schwitze ich aber auch. Es ist wirklich eklig. Ich fühle mich scheiße.
Ich liege unter der 1 Mikrometer dicken "Decke" und habe Schüttelfrost. Das Bordunterhaltungsprogramm ist sehr neu und man kann sich alles aus einem festplattengestützten Mediencenter auswählen. Ich beschließe "Pirates of the Carribean 3" zu gucken weil immer alle sagen der sei so super und kann danach endgültig bestätigen, dass ich Johnny Depp für ein Miststück halte. Er ist weder witzig noch lässig noch irgendwie cool. Er ist einfach nur ultra-tuckig und auch das auf eine sehr dilletantische Weise. Mein Magen spinnt voll rum und ich bekomme Bauchkrämpfe von dem schlechten Seafood. Als der komische Piratenboss erscheint, der Tentakel in der Fresse hat, dreht sich mein Magen vollends um. Die Story dümpelt im Brackwasser so vor sich hin und es ist mir nicht ganz klar, warum alle diesen blöden Münzen nachjagen oder wieso die Leute in Singapur aussehen wie Kanton-Chinesen oder warum der fliegende Holländer so unbedingt einen Captain braucht und nicht einen Autopilot oder ein Navi hat, wo er doch sonst alles kann, Fliegen inklusive. Bevor ich völlig ins Delirium abdrifte, schaue ich mir kurz Shrek der Dritte an. Der erste Teil war richtig neu und lustig. Beim zweiten mussten die Macher voll den Erfolg des ersten mit reichlich Koks feiern. Deshalb merkten sie nicht, wie glanzlos der zweite war. Beim dritten waren sie dann voll auf einem Apltraum-Meskalin-Trip, jedenfalls ist alles sehr gewollt komisch und diese Katze ist auch blöde. Ich will immer das Bild von schleimiger, kotzgrüner Seafood aus meinen Gedanken wegdrücken aber es geht nicht. Kurz bevor wir landen penne ich ein und verpasse gottseidank das Frühstück.
In Amsterdam ist es saukalt und da unser Flugzeug dann doch mal tatsächlich fast eine ganze Stunde zu früh gekommen ist, müssen wir auf den Flug nach Berlin über 2 Stunden warten.


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yeah :D hört sich ja lustig an alles... und das mit den filmen stimmt auch, scheiss piratenkacke
Kommentiert von: Skafuid | 27. Februar 08 at 20:33 Uhr