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PRINZ PI - TOURTAGEBUCH

HomeboyzPrinz Pi ist einer von wenigen Berliner MCs, deren geistiger Horizont weiter als bis zur nächsten Schawarma-Bude reicht. Wenn sich so jemand wie er das deutsche Rapgame anschaut, müsste er in Tränen ausbrechen und nach Afrika auswandern. Aber Pi ist ein zäher Bursche. Er macht immer weiter, bis es dem Rapgame irgendwann wieder besser geht. Nach Afrika ist er übrigens trotzdem ausgewandert. Allerdings nur für kurze Zeit. Er ist gerade im Rahmen eines Projektes der Welthungerhilfe in Tansania unterwegs und produziert mit afrikanischen Rapacts ein paar Tracks zum Thema Aids-Aufklärung. Das hier ist sein Tourtagebuch.

Tag 1
Wir fliegen nach Dar es Salaam, der Hauptstadt von Tansania. Von Berlin über Amsterdam über Nairobi nach Dar es Salaam. In Nairobi finden gerade Massaker statt, das Land ist im Bürgerkrieg. Der Steward, bei dem wir in Tegel eincheckte, beruhigte uns damit, dass der Trip nach Nairobi "auch unser letzter" sein könnte und widmete sich dann dem nächsten Passagier.

Im Flugzeug von Berlin nach Amsterdam sitzt neben mir ein Mann der mir Angst macht. Er hat keinen Turban oder langen Bart und Sonnenbrille. Er trägt ein widerliches Hemd, sicher von van Laak oder so mit knallbunten Streifen und er riecht nach einem Großvater After Shave vom Duty Free. Ich nenne ihn "Chleel". Weil er das dauernd sagt oder etwas das so klingt. Das "Ch" spricht er so wie bei Startrek die Klingonen "Ga´hcht". Er ist blond und hat blaue Augen und ist sehr Leni Riefenstahlesk.

Er macht mir Angst. Er telefoniert die ganze Zeit mit seinem Blackberry. Solange bis die Stewardess es verbietet. Dann tut er so, als wenn er es ausstellt. Wie ein Schuljunge der einen Streich plant guckt er, ob sie zu ihm schaut. Dann macht er das Ding wieder an und tippt schnell noch ein paar Mails auf den knubbligen Minitasten. Direkt nach der Landung legt er wieder los und beim ersten Telefonat lacht er wie der Teufel.

Auf dem Flughafen in Amsterdam darf man nicht rauchen. Der Flughafenmitarbeiter, den wir nach einer Raucherlounge fragten, wirkte sehr beleidigt und funkte sofort hektisch mit seinem Walkie Talkie herum: "Possible Smokers detected". Auf Toilette lag eine Kippe im Klo, die aussah, als wenn jemand nur einmal daran gezogen hätte. Als ich rauskam, scheuchte der Mann vom Putztrupp einen kleinen Chinesen aus den Klos, der anscheinend in einem der kleinen Aborte rauchen wollte: "No smoking Sir, absolutely no smoking".

Das Flugzeug nach Nairobi ist proppevoll. Auch jede Menge Familien mit kleinen Kindern freuen sich auf einen Urlaub im wunderschönen Urlaubsland Kenya.

Img_0302_2Tag 2
Der Flug neigt sich dem Ende zu. In meinem Kopf ist der Abdruck einer Armlehne und meine Ohren schmerzen von dem ganzen Zeug, was ich mir da rein gesteckt habe, um das Schnarchen von dem Idi-Amin Doppelgänger in der Reihe vor mir auszublenden. Davor hat er den gleichen Film wie ich gesehen: Bourne Identity oder Bourne Ultimatum oder sowas. Bei jedem kleinen Anzeichen von körperlicher Gewalt hat er krass laut gelacht und wenn jemand richtig hart verprügelt wurde, hat die ganze Reihe gewankt und er hat sich geschüttelt in einem Lachkrampf.

Endlich: Wir sind in Dar es Salam angekommen, nur mein Koffer leider nicht. Mein "Partnermusiker" names Fid-Q holt uns mit den Leuten von der Organisation am Flughafen ab. Dabei auch eine lustige Truppe von Filmstudenten aus Holland, die schon zur Mittagszeit bei 35 Grad brütender, dumpfer Hitze nach dem ersten Elefantenbier verlangen.
Untergebracht werden wir in einem Gästehaus zusammen mit Filmteam und Leuten von der Hivos - das ist das holländische Pendant zu der Deutschen Welthungerhilfe. Diese beiden und noch ein paar weitere europäische "Non-Profit"-Organisationen veranstalten das ganze.
Es ist wie auf einer Klassenfahrt. Auf 9 Leute kommen 9 Powerbooks, der große Esstisch ist voll mit Netzteilen, externen Festplatten und Filmequipment. Dazwischen huschen kleine Eidechsen rum, die betongrau sind und nur der Kopf ist knallgelb. Alle Leute sind hochmotiviert und engagiert und es wie in einer Hippie-WG, nur dass die Leute weniger reden, kein Grass rauchen und stattdessen etwas tun.

Img_0299In der Nähe von unserem Haus ist das "Home Boyz Cafe". Ein paar Homies hängen an der Ecke herum, trinken Bier und rauchen. Es ist wie man sich Compton vorstellt, nur dass die Straßen kaum geteert sind und sehr,sehr viel Müll herumliegt, der einfach angezündet wird. Die Leute hier zeigen auch keine Gangsigns, aber grüßen sehr freundlich jeden Fremden. Wir kaufen Zahnbürsten und spielen auch mit dem Gedanken uns ein Aftershave zuzulegen, das "One Man Show" heißt.

Das Mittel gegen die Malaria Mücken, das wir in Berlin gekauft haben, wirkt laut dem schon sich schon länger in Tansania befindlichem Filmteam nicht. Sie geben uns ein einheimisches Produkt, das sich durch Plastik frißt und auf der Haut brennt wie der übelste Sonnenbrand. Ich Idiot reibe es mir sofort in die Augen, die ich darauf mit extrem gechlortem Wasser auspüle, das ich darauf mit Mineralwasser auspüle.

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Kommentare

"No smoking Sir, absolutely no smoking"

"Sir, absolutely SCHMACHT, absolutely SCHMACHT! YOU KNOW WHAT I'M TALKING ABOUT?! SCHMACHT SIR! SCHMAAAAAAAAAAAACHT!"

Hat dich die Handystrahlung des Kommerzabgesandten nicht krank gemacht?
Schade dass man keine Tracks oder Videos auf youtube oder so von der dir und der Tour sehn kann. http://www.youtube.com/watch?v=p8EHvrmnZnY
Hier ein Video von nem top tansanianischem Rapper.
http://www.youtube.com/watch?v=p8EHvrmnZnY wär fett wenn du mit dem was aufnehmen würdest aber bleibt wohl nur ein Wunsch ^^

Ich wünsch dir viel Spaß und hoffentlich kann man den jungs da drüben was beibringen, ein feature wäre geil!

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