Seit kurzem läuft in der Galerie Duve in Berlin die Ausstellung THE GREAT WALL der Bruce High Quality Foundation, die mit einem riesigen Spektakel mit Drachen vor Monumenten, Feuerwerkskörpern und einem Haufen vor Ort erschaffener Kunst eröffnet wurde. Der Zusammenschluss dieser New Yorker Künstler bietet dem heutigen Kunstkonsumenten eigentlich alles, was er sich nur wünschen kann. Sie nehmen aktuelle Themen, machen sich schlaue Gedanken und verpacken sie auch noch so, dass jeder Nicht-Kunst-Doppel-Doktorant auch noch etwas damit anfangen kann. Damit das mit dem Verstehen auch wirklich klappt, haben wir uns mit James, einem der Künstler getroffen, um ihn über alles, was uns nur einfällt, auszufragen...
Teil 1
Vice: Also, warum liegt denn hier eine Fußball-Skulptur herum?
James: Wir dachten uns, okay, wir sind hier nicht in Amerika, nicht in New York, und wir machen eine Show über China. Aber weil wir in Europa sind, speziell in Deutschland, geben wir den Leuten was, damit sie nicht nur vorbei laufen und denken, oh nein, das ist Kunst, sondern dass sie einen Fußball sehen und denken, hey, da ist ein Fußball, was ist denn da los? (lacht) Am Tag der Vernissage lief gerade das Finale der Europameisterschaft. Eigentlich sollte die Eröffnung ja genau zu dem Zeitpunkt sein, wo dann Deutschland das Finale gewinnen würde, aber daraus ist ja leider nichts geworden...
Ja, leider. Okay, schnell weg vom Thema Fußball, wieso also die Idee mit China?
Alle sind ja so aufgeregt über China zurzeit. Der Spiegel und alle haben jetzt ihre China-Special-Ausgaben, alle sind fasziniert von diesem Nationalismus, der sich da gerade zeigt, und deshalb hat dieser Fußball da auch ziemlich gut reingepasst. Denn in Europa ist der Fußball irgendwie das letzte Überbleibsel von dem ganzen Nationalismus, den es mal gab. Vor zwei Jahren war ich in China und als ich am Flughafen ankam, habe ich wirklich erwartet, dass alles total fremdartig sein würde, so „Wow, ich bin in China“-mäßig eben.
Wo schmeckt das Essen denn eigentlich besser?
In China. In New York und im Rest der Welt gibt es auch bestimmte Gerichte, wie dieses Hühnerfleisch mit dieser einen süßlichen Soße, das jeder als chinesisch ansieht, das dort aber kein Mensch kennt. Jedenfalls war der Eindruck in Wirklichkeit erstaunlich bekannt. Sehr viele Elemente der Kultur kannte ich einfach schon.
Aber wenn du Fußball und Nationalismus und den chinesischen Nationalismus vergleichst, was ist dann mit den Olympischen Spielen? Das soll doch alles so ein internationales und multikulturelles Ding sein...
Ich meine, als ich vor zwei Jahren dort war, haben sie schon all diese Sachen gebaut, wie diese Stahlkonstruktion von einem Stadion. Und diese Stadt für die ganzen wichtigen Leute. Das sind so um die dreihundert Häuser, die sie da in dem traditionellen Stil gebaut haben, die innen aber mit modernster Technik ausgestattet, sind. Ich meine, das war verdammt riesig und es war das Verrückteste, was ich je in meinem Leben gesehen habe. Es ist einfach ein Zeichen davon, dass China als große Nation ernst genommen werden will. Aber ich mag an China und dem Thema mehr die Idee von der chinesischen Kultur, die sich überall an anderen Orten der Erde niederschlägt. Wie in New York City eben, wo es all die chinesischen Leute gibt, das Essen, die Läden und die eigenen Bussysteme, die sie gegründet haben. Ich meine, im Moment haben alle irgendwie Angst vor China, aber auf der anderen Seite gibt es wieder all diese interessanten Nebenprodukte im Zuge davon, wie sich die chinesische Kultur auf der Welt verbreitet.
Dass es eigene chinesische Bussysteme in New York gibt, wusste ich ehrlich gesagt noch nicht...
Doch, sie haben irgendwann, als die Stadt einen bestimmten Streifen der Straße als Bußparkplatz zur Verfügung gestellt hat, einfach ein paar Busse gekauft und ihr Geschäft dort aufgemacht. Es laufen die ganze Zeit irgendwelche Frauen herum, die die Tickets verkaufen und zum Beispiel „Philly, Philly“ rufen, für die Busse nach Philadelphia. Sie haben noch nicht mal einen Verkaufsschalter oder so was. Es ist irgendwie halblegal.
Ah, das ist so wie mit diesem Sammeltaxi-System in Israel, das in der Hand von Arabern ist und deshalb nie ausgebombt wird, oder?
Echt, das gibt es? Genau solche Dinge finde ich faszinierend. Weil es irgendwie halb legal ist, aber auch wieder eine gute Seite des freien Markts widerspiegelt. Ich meine, wir leben in einem kapitalistischen System und es kotzt einen an, aber es gibt eben auch solche Chancen darin, die das ganze wieder so faszinierend machen. Es ist Angst einflößend und abgefuckt, aber es gibt zugleich auch coole Aspekte daran.
Hat eure Show auch etwas mit chinesischen Restaurants zu tun? Das hier sieht so ähnlich wie die Vorderseite von einem Fast Food Imbiss aus.
Ja, schon. Ich war vor zwei Jahren mal in Berlin, und ich habe gehört, dass über der Stelle, wo Hitler sich umgebracht hat, jetzt ein chinesisches Restaurant stehen soll. Ich bin hingefahren und habe es mir angesehen. Irgendwie ist das auch nur einer dieser verrückten Globalisierungs-Effekte...
Fortsetzung folgt...


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