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KIRCHLICHE EVOLUTION

Break_up Für das untrainierte Auge handelt es sich hier nur um eine dänische ex-Priesterin und Psycho-Therapeutin, die als Abschluss ihrer Abschieds- und Scheidungstherapie ein religiöses Abschiedsritual für Menschen in ihrer lokalen Kirche anbietet - gegen Bezahlung natürlich. Für das trainierte Auge dagegen ist es ein Zeichen der ständigen Evolution. Nur die stärksten überleben, eine Wahrheit, an die sich auch die Kirche gewöhnen muss. Wir wollten mit der Erfinderin der Zeremonie, Ilse Sand, sprechen, weil wir das eigentlich für eine ganz gute Idee halten: Noch eine Party, noch ein Grund, neue Klamotten zu kaufen, hemmungslos zu essen, zu trinken und mit entfernten Cousinen rumzumachen - vielleicht sogar eine Junggesellen-Wiederbegrüßungs-Feier am Tag davor oder danach oder so...

Vice: Wie bist du auf die Idee gekommen, ein Scheidungsritual in der Kirche einzuführen?
Ilse Sand: Es geht um die Verzeihung. Die Kirche zeigt einem, dass es für alles einen größeren Zusammenhang gibt. Kleine Diskussionen, wie Kindererziehung und so weiter, die während der Scheidung so groß scheinen, sieht man hier aus einer anderen Perspektive. Und dass die Liebe das wichtigste ist, ist doch die Botschaft der Kirche.

Du findest also nicht, dass es  in der evangelischen Kirche
etwas gibt, das gegen dieses Scheidungsritual spricht?
Nein, manche würden bestimmt darauf hinweisen, dass in der Bibel steht, dass man sich nicht scheiden lassen darf, aber das sind nur die Bibelfundamentalisten und von denen gibt es nur sehr wenige. Die Bibel ist ja aus einer anderen Zeit, man muss aber die zentrale Botschaft aus der Bibel herauslesen - und das ist die Liebe.   

Haben die Leute kritisiert, dass du private bezahlte Rituale in der Kirche anbietest?

Ja, der Chefredakteur einer großen bürgerlichen Zeitung, der Jyllands Posten (die mit den Mohammed-Zeichnungen) hat geschrieben, dass es ein böses Omen ist, dass der private Kapitalistismus Einzug in die Volkskirche hält. Er hat das geschrieben, als wäre es etwas Schlechtes, aber ich verstehe das nicht. Ich meine, man hat ja früher gesehen, wie die private Initiative eine halbtote Organisation retten kann. 

Wie war die Reaktion von der halbtoten Organisation selber?

Eine Bischöfin hat schon gesagt, dass sie da kein Problem sieht. Die Leute bezahlen ja auch Kirchensteuern und die meisten kriegen ja nicht besonders viel für ihr Geld, weil sie am Sonntag nicht hingehen. Ich finde, da kann man ihnen auch das hier erlauben. Aber ein anderer Bischof hat gesagt, dass man ein Scheidungsritual in der Kirche nicht erlauben soll, weil in der Bibel dafür kein Platz ist, aber so eine Haltung sehe ich als sehr gefährlich an.

Warum?
Wenn die Kirche nur Sachen machen darf, die in einem 2000 Jahre alten Buch begründet sind, dann bleibt die Entwicklung stehen und die Volkskirche wird plötzlich zu einer kleinen Sekte. Die Lebensumstände der Bevölkerung müssen ja akzeptiert werden. Und die Kirche muss ihren Mitgliedern mit den Problemen in ihrem Leben helfen und das ist für viele genau eine Scheidung.      

Haben sich schon Kunden gemeldet?

Also ich habe eine Kundin, die anfangen wird, aber ihr Mann hat jemand anderen gefunden und will nicht daran teilnehmen. Sonst haben sich nur ein paar andere gemeldet, unter anderem jemand, der ein Beerdigungsritual für seine Katze wollte. Ich bin schon für Tierschutz und so, aber ich habe trotzdem zuerst geglaubt, dass es ein Scherz wäre, aber manche haben ja eine sehr enge Verbindung zu ihrem Tier.

Soll das auch in Kirche stattinden?

Nein, nein, das würde ich nicht machen. So ist es halt, wenn Leute dafür bezahlen. Sie trauen sich, ein bisschen mehr zu fragen, als wenn es der lokale Priester ist. 

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Kommentare

"Private Initiative eine halbtote Organisation getettet"
meint die damit die Reformation oder was? Ich glaube, ich bin seeeeehhr clever!

ich glaube, du bist ein Mongo

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