Nach einer kleinen Pause ist Skinema, Chris Nieratkos mäßig pornographisches und vielmehr autobiographisches Buch, in seiner wöchentlichen, exklusiven Übersetzung wieder zurück. Zum Auftakt mit einem Text über anonyme Briefe. Über eben solche kann man ja alle möglichen Mutmaßungen anstellen: ein Liebesbrief, ein Hass- oder ein Drohbrief? Aber man kann auch, wie Chris uns belehrt, locker bleiben und einen Fick drauf geben.
NOTHING TO HIDE 3: JUSTINE’S DAUGHTER
Calvistapictures.com
Regisseur: James Avalon
Bewertung: 6
Ich habe neulich diesen Brief in meinem Briefkasten gefunden:
"Ich hatte einen Traum von dir. Du hast meine Mutter umgebracht. Du hast zu viel Chrystal Meth genommen und ihr das Genick gebrochen. Mein Vater und ich kamen genau in dem Augenblick herein, als ihre Augen aus ihren Höhlen quollen und sie sich an deinen Unterarm klammerte. Du warst so was von drauf, du warst am Lachen und am Schwitzen und meintest, dass sie es so gewollt hätte. Mein Vater sah rot, als du letztendlich ihren schlaffen Körper auf den Boden fallen ließest. Ich ging hinüber, um sie mir anzusehen und war so traurig, dass ich gar nichts fühlen konnte. Ich versuchte immer und immer wieder, ihren Arm anzuheben, was eigentlich ziemlich leicht hätte sein sollen, weil sie so zierlich ist, aber es fühlte sich an, als ob ich eine Tonne Ziegelsteine tragen müsste. Ich konnte nicht weinen, weil ich nicht glauben konnte, dass sie wirklich tot war. Mein Vater schlug dich so hart, dass er dir mit seinem ersten Treffer den Unterkiefer brach. Du lachtest weiter. Du hattest die ganze Zeit über dieses wirre Grinsen im Gesicht. Also schlug er dich wieder, woraufhin dein Kopf nach hinten knickte, gegen die Wand schlug und du ohnmächtig wurdest. Danach schleifte er dich nach draußen, wo er deinen Kopf gegen den Asphalt schlug, bis er am Knochen angekommen war. Er sagte die ganze Zeit über kein Wort. Ich reichte ihm eine Schrotflinte und wir stimmten einander darin zu, dass wir dich ins Schienbein schießen sollten, während du wegläufst, um die Sinnlosigkeit davon zu unterstreichen. Dann weckte mich mein Radiowecker und Led Zeppelin spielten irgend etwas Schreckliches."
Es war keine Unterschrift darunter. Ich konnte erkennen, dass er von einer Frau geschrieben worden sein musste. Ich nahm an, dass sie ein bisschen älter sein musste, weil keine übermäßigen Rundungen oder Schleifen im Schriftbild vorkamen. Es kam mir völlig fremd vor, obwohl ich eigentlich erlesene Schreibkunst wieder erkenne, wenn ich sie wiederholt sehe. Ich war verwirrt und interessiert. War das eine Art morbide Liebesbotschaft, oder sollte ich das als eine Drohung auffassen, oder war es einfach eine freundliche "Hey, ich habe geträumt, du hättest meine Mutter umgebracht"-Nachricht?
Fast eine Woche ist jetzt vergangen, seit der Brief seinen Weg zu mir gefunden hat. Seither habe ich mir meine Finger in einer Tür gebrochen, mir mein Handgelenk in einem Loch verrenkt und vom zu vielen Saufen Blut gekotzt. Sind meine Pechsträhne und diese Nachricht irgendwie miteinander verbunden? Na ja, verbringt am besten nicht zu viel Zeit damit, darüber nachzudenken. Ich tue das auch nicht. Was wäre nämlich, wenn ich diese verrückten Unfälle nicht erwähnt hätte und stattdessen erzählt hätte: "In dieser Woche habe ich fünf Mal Steak gegessen, einmal Huhn, hatte vier Kästen Guinness, und ein dutzend Kilos Eiscreme mit Sahne." Ihr würdet euch wahrscheinlich denken: "Meine Güte, ich glaube, Chris legt wieder ein paar Kilo zu."


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ich habe mir mal seine Seite angeschaut, wie kann dieser loser so geile Interviewpartner bekommen?
Kommentiert von: steffy121 | 03. Juli 08 at 18:09 Uhr