Eine Umfrage auf einem Festival zu machen ist ungefähr so schwierig, wie mit einem alten Radio auf einer Wiese zu versuchen, mit Außerirdischen zu kommunizieren. Das wurde uns schmerzhaft klar, als wir auf dem Melt! versuchten, herausfinden, was für krasse Festival Erlebnisse in euren hart geprüften Gehirnzellen hängen geblieben sind. Erst einmal konnten wir fast niemanden finden, der noch anständig reden konnte und die, die es konnten, wollten gar nicht wieder aufhören. Aber es ist uns gelungen, ein paar von euch zu finden, die immer noch ein bisschen Sinn gemacht haben und sie mit Bonbons lange genug zum Stehenbleiben zu kriegen, um uns ihre Geschichten anzuhören.
MAYKA, 19
Was ist das Außergewönlichste, das dir auf einem Festival passiert ist?
Ich war einmal auf einem Festival in der Schweiz, wo meine Freunde und ich die Zeltstangen vergessen hatten und wir dann unser Zelt mit Schnüren zusammenbinden und an Bäumen festmachen mussten.
Hat es geklappt?
Ja, es hat echt geklappt. Ich hätte es auch nicht gedacht. Alle unsere Nachbarn haben uns ausgelacht und gedacht, wir schaffen es nicht, aber das haben wir.
Hattet ihr Jungs dabei?
Nein, wir waren vier Mädels, ganz alleine.
Aha, also eine feel-good-Geschichte mit einer feministischen Moral.
SIRID LAURSEN, 25
Was ist das Komischste, was du je auf einem Festival erlebt hast?
Es war jetzt nicht unbedingt etwas Komisches, aber mein wahnsinnigstes Erlebnis war im Jahr 2000 auf dem Roskilde Festival. Pearl Jam hat gespielt und vor der Bühne wurden Leute zu Tode getrampelt. Ich war zum Glück hinten beim Konzert, aber man konnte auf den großen Bildschirmen sehen, wie blutige Leute rausgezogen wurden.
Haben sie die Leute gefilmt?
Ja, damit man es hinten sehen konnte und zurückgehen konnte. Der Sänger, wie heißt er jetzt wieder? Ach egal, auf jeden Fall er hat auch: „Geht zurück! Geht zurück!“ geschrieen. Zum Schluss hat er das Publikum angeflucht und hat geheult. Aber so viele Leute können nicht so schnell zurückgehen.
Was hast du danach getan?
Ich bin nach Hause gefahren, weil das Ganze so unangenehm war, aber da wussten wir noch nichts von den 8 Toten. Es war furchtbar, alle wollten zu Hause anrufen und alle haben ihre Freunde gesucht. Unsere Camp-Nachbarn waren Deutsche und haben es gar nicht verstanden und waren nur so daruf: „Geil, Party machen!"
LOUISE CHATTELL, 18
Welches Festival wirst du nie vergessen?
Ganz bestimmt Glastonbury 2005. Ich war da ohne Schuhe unterwegs und zwei Tage danach musste ich ins Krankenhaus. Ich war total weg auf Acid und habe gar nichts gemerkt. Aber ich habe eine krasse Entzündung bekommen.
Warum zum Teufel hattest du keine Schuhe an?
Ich weiß es nicht, weil ich ein Idiot bin. Ich habe mir gedacht, dass es einfacher ist, weil Gummistiefel im Schlamm so schwer werden und es dann so schwierig ist, zu tanzen.
Mit entzündeten Füßen zu tanzen, ist also einfacher?
Ja, ich habe das ja nicht bemerkt. Ich habe sogar nachher meinen Riesen-Rucksack hoch in die vierte Etage getragen, ohne es zu bemerken und bin in meinen Klamotten eingeschlafen. Als ich dann aufgewacht bin, konnte ich nicht einmal mehr stehen und es hat drei Wochen gedauert, bevor ich wieder normal laufen konnte.
AXEL, 19
Was ist das Komischte, woran du dich von einem Festival erinnern kannst?
Ich habe einen Schnürsenkel über eine Dose Ravioli gehalten und als jemand mich gefragt hat, was ich da mache, habe ich gesagt: Ich warte darauf, dass eine Ravioli anbeißt und dass das eine neue Methode, Ravioli zu essen, ist.
Was?
Ja. Nein. Warte, was war die Frage noch einmal? Ach, doch, jetzt weiß ich es wieder: gestern. Haha. Wir sind um sieben wieder zum Zeltplatz zurück gekommen und haben im unseren Auto eine Fischdose gefunden mit Hering und Fisch und Soße, es hat jetzt nicht so ausgesehen, wie auf dem Etikett versprochen, es war eigentlich sogar ziemlich beschissen, aber um wieder auf dem Punkt zurück zu kommen, hatten wir keine Gabel. Verstehst du?
Eh, ja.
Du sitzt da, im Sonnenaufgang, mit einer Fischdose, aber du hast keine Gabel. Dann haben wir im Auto eine Barbiepuppe gefunden und haben ihr die Arme ausgerissen. Und haben mit den Armen der Barbiepuppe Fisch gegessen und dann hat Fillipp eine Wäscheklammer gefunden und das war viel besser, sogar besser als Gabeln finde ich. Es ist eine Revolution auf dem Gebiet der Gabel-Technik. Davon werden bestimmt viele profitieren.
ROBERT SCHMIDT, 21
Welche Geschichte von einem Festival erzählst du immer wieder?
Lass mich nachdenken. Das war, als ein Kumpel von mir in den Wald rein gelaufen ist, um sein großes Geschäft zu machen. Dann ist er auf den Baum geklettert und hat sich in zwei Metern Höhe auf eine Astgabel gesetzt und hat losgelegt, losgeschissen, losgekackt sozusagen. Dann ist der Ast abgebrochen, ein anderer Kumpel von mir ist dorthin gekommen und hat gesehen wie er da stand und versucht hat, sich die Kacke vom Bein zu wischen.
Dann hast du es ja gar nicht selber gesehen?
Doch der andere Kumpel hat dann den Rest von uns geholt und er stand immer noch da mit der Kacke am Bein. Er hat sich nicht so richtig verletzt, aber er sah so dumm und ekelhaft aus, wie er da stand.
Warum ist er auf den Baum geklettert, um zu scheißen?
Er wollte halt einfach nur gechillt scheißen. Das richtige Kackgefühl haben.
Und das kriegt man auf dem Baum? Ich glaube dir die Geschichte nicht.
Stimmt aber echt. Scheiße, oder? Stell dir mal vor, so was würde dir passieren. Peinlich.
Würde mir nicht passieren, weil ich auf keinen Baum klettern würde, um zu scheißen.
ELENA KUNADT, 23
Was ist das Übelste, was dir je auf einem Festival passiert ist?
Vor zwei Jahren auf dem Hurricane Festival ist ein Riesen-Unwetter ausgebrochen und innerhalb von Sekunden ist massig Wasser runter gekommen und das ganze Gelände wurde evakuiert. Alle Zelte sind weggeschwommen oder weggeflogen. Am Anfang war es noch recht witzig, weil alle nackt im Regen rumgetanzt haben, aber dann nicht mehr.
Was hast du dann gemacht?
Wir sind nachher zurückgegangen, aber unser Zelt und alles war weg. Wir sind dann alle in so einem Klub untergekommen und wurden von den Sanitätern ausgezogen, weil wir kurz vom erfrieren waren. Jeder hat dann so eine kleine Decke bekommen, in die man sich einwickeln konnte.
Wie bist du nach Hause gekommen?
Zum Glück im Auto, ich hatte nur ein T-Shirt von irgendjemand anderem an und die Decke ohne etwas darunter. Aber es gab bestimmt welche, die mit dem Zug fahren mussten oder so. Ich zum Glück nicht, aber ich habe so viele nackte Leute an diesem Wochenende gesehen. Echt Wahnsinn.
HEIDI STEINMEIER, 17
Was ist das Komischste, das du auf einem Festival erlebt hast?
Auf dem Shining stand so ein Typ, eigentlich ganz normal. Er hat schon ein bisschen freaky ausgesehen und gerade telefoniert, was ja eigentlich auch recht normal ist. Aber er hat dabei die Hosen unten gehabt und hatte sich volle Kanne da reingeschissen. Mitten am Tag. Alle haben ihn angeglotzt und sich gedacht, dass er wahrscheinlich voll druff ist.
Alle reden von Kacke. Kacke ist doch nicht so interessant, oder?
Oh, ich habe auch noch eine Pinkel-Geschichte, die ist von gestern Abend. Ich lag im Zelt und wollte schlafen. Plötzlich habe ich gehört, wie jemand gegen mein Zelt pinkelt und habe geschrieen: „Pinkel nicht auf meinem Zelt, du Arschloch“, worauf eine ganz kleine Mädchen-Piepsstimme geantwortet hat: „Aber ich bin doch gar nicht da.“
Okay, Kacke und Pisse, danke.
Das war halt meine seltsame Festivalgeschichte. Aber es war wunderschön mit dir, du erinnerst mich an eine Freundin von mir. Du bist so eine Ulknudel. Mann guckt dich an und will lachen, aber das ist jetzt gut gemeint. Warst du da vorne? Da geht es ab, das sag ich dir. Super.
NINA HECKEROTH, 20
Was ist das Wahnsinnigste, was dir jemals auf einem Festival widerfahren ist?
Ich weiss nicht so richtig, ich gehe nicht so viel auf Festivals und so. Aber ich arbeite ja hier damit, dass die Leute diese Karten ausfüllen müssen. Und da hat ein Typ neulich, nein, das findest du vielleicht gar nicht lustig und es hat nicht direkt was mit dem Festival zu tun.
Ist egal, erzähl einfach. Ich bin mir sicher, dass es lustig war.
Ja, okay, er schrieb dann Heinrich der 26. von irgendetwas hin. Ich habe gesagt, dass ich seinen Ausweis sehen will, weil ich dachte, es ist eine Verarsche und dann hieß er wirklich so.
Okay, muss wirklich eine Scheiß Arbeit sein, wenn du das lustig findest.
Ja, fick dich. Füll jetzt bitte diese Karte aus. Jetzt.


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Ah ja.
Ganz schön kresi.
Kommentiert von: spielverderber | 30. Juli 08 um 15:22 Uhr
jawoll nina
ich freu mich das du dich noch an mich erinnerst ich hab auch lange an dich gedacht!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
freue mich dich nächstes jahr wieder zu sehen!!!
in liebe
XXVI (26)
ps: du kannst mich auch arrigo nennen
arrigolo@hotmail.com :-)
Kommentiert von: Heinrich XXVI Prinz Reuss | 04. August 08 um 12:53 Uhr
Lieber Markus Arch,wer ist Ihres Erachtens die Instanz, die bestimmen darf, was Blf6dsinn ist und was nicht? Sind Sie das? Aha. Da sind Sie aber ganz schf6n me4chtig, wen sie mit teeztlr und zweifelsfreier Gewidfheit fcber wahr und unwahr entscheiden kf6nnen. Und das auch noch in metaphysischen Dimensionen; sie haben also exakte Kenntnis fcber genau jene Dinge, deren Existenz sie ja abstreiten?Ich bin der letzte, der die Kleriker verteidigen wfcrde, aber Ihr kleiner Aufsatz, der alles und jedes nach Belieben zusammenmischt, wie es gerade gebraucht wird, erzeugt eher den gegenteiligen Effekt dessen, was wohl Ihre Intention zu sein scheint. Wenn schon Religionskritik, dann bitte stringent. Ihre Ich glaube nicht Position hat die gleiche Berechtigung oder Nichtberechtigung wie eine Ich glaube Position, im Prinzip ist ihre Position fast ident, nur mit anderen Vorzeichen.Darfcberhinaus tappen sie in einen Kategorienfehler: Hinter Ihrem Beispiel, wie man besser mit dem sterbenden Familienmitglied umgeht, steht die Frage nach ethischem Handeln. Religion ist aber nicht alleine auf ein Handlungsprinzip zu reduzieren, Religion fragt auch oder sogar zuvorderst nach Wahrheit (ob sie beantwortet wird, ist eine andere Frage). Also die Frage Wie soll ich (ethisch) handeln? ersetzt nicht die Frage Was ist Wahrheit? (+ gibt es Gott, die unsterbliche Seele, usw. usf.) wenngleich sich erstere sinnvoller Weise von zweiterer ableiten lassen mfcsste.Sie erwarten von der medizinischen Forschung (um ein Beispiel herauszugreifen) ja wahrscheinlich auch, dass sie danach fragt, wie kf6rperliche Prozesse ablaufen, wie und warum Wirkstoffe funktionieren usw., also dass sie nach der dahinterstehenden Wahrheit forscht und nicht nur gewisse Handlungsable4ufe a la Wir haben keine Ahnung warum, aber verabreichen dem Patienten nun jenen Wirkstoff wenngleich das in der Praxis natfcrlich noch immer oft der Fall ist, dass es mangels besserer Methoden auch oftmals so gemacht wird (z.B. weil gewisse empirische Ergebnisse den Erfolg belegen, auch wenn man sich die Vorge4nge nicht exakt erkle4ren kann); aber der Anspruch der Wahrheitssuche ist zumindest gegeben. Und so wie Wissenschaft Wahrheit anstrebt, tut Religion das zumeist ja auch (mit Ausnahme einiger fernf6stlicher Religionen wie z.B. Konfuzianismus oder Taoismus u.a., die tatse4chlich mehr eine Anleitung ffcr ethisches Handeln anstatt Wahrheitssuche/findung sind).Der Glaube an den rosa Elefanten oder das Spaghettimonster hat zwar nicht die Historie und Tradition wie andere Religionen, he4tte aber streng genommen einen gleichwertigen Geltungsanspruch, wenn man Religions/Meinungsfreiheit ernst nimmt und sich nicht auf Geltung durch grodfe Zahl (viele Gle4ubige) zurfcckzieht.
Kommentiert von: Widy | 07. März 12 um 14:24 Uhr