MUSIK REVIEWS - BRIGHTER DEATH NOW, SDP, POPNONAME, Z'EV VS PITA
BRIGHTER
DEATH NOW
Necrose
Evangelicum
Cold Meat
industry
Immer, wenn du vergisst, wie es um die Welt eigentlich
bestellt ist, solltest du auf eines der Machwerke von Roger Karmanik, dem
erfrischend ehrlichen Zyniker aus dem schönen Mjölby, zurückgreifen. Und weil
er weiß, dass es auf der Welt nicht genug von seinen sonderbaren
Death-Industrial-Attacken geben kann, streut er mal wieder altes Material unter
die Leute und lacht sich ins Fäustchen, dass sich auf diese Weise seine
Sammlung edelster Malt Whiskeys erweitern lässt.
SDP
Die Rache des kleinen Mannes
Berliner Plattenbau
Meine Güte, was habt ihr denn
plötzlich alle mit euren sozialkritischen Songs über den Klimawandel?
Offensichtlich folgen Popkultur und Bildzeitung längst der gleichen Logik:
Nichts verkauft sich besser als Katastrophen. Da müsste dieses Album ja echt
ein Kassenschlager werden. Für die CO2-Bilanz wäre es hingegen besser, das
zuständige CD-Presswerk einzustampfen und diese pseudopolitischen Sonnenschein-Popper
hier gleich dazu, bevor sie noch mehr Gedankenmüll in die Atmosphäre blasen
können.
POPNONAME
Surrounded
by Weather
Italic
Erst geben sie sich total viel Mühe, ihre 80er House- und
Synthpop-Zitate so zart anzufassen wie die Junior Boys. Und dann schaffen sie
es sogar, ihre eleganten Tunes mit so einer Art Daunenbettwäsche aus
verträumtem Krautdisco a la Studio, Todd Terrje oder Prins Thomas zuzudecken.
Sogar ihr Sänger übt so lange, bis er klingt wie Neil Tennant. Und dann kommen
sie plötzlich mit einer völlig sinnlosen upbeat-Nerverei wie Crack um die Ecke. Das ist in etwa so
unpassend als würde eine gut geformte Schönheit eine halbe Stunde lang in
geschmeidigen Bewegungen wortlos auf dir reiten und dann plötzlich anfangen, mit
schriller Stimme die Nationalhymne zu singen. Erste Strophe.
Z'EV VS PITA
Colchester
Editions Mego
Wie der ganze rituelle Hintergrund mit der Musikmacherei
ursprünglich gedacht war, also bevor jeder Hans und Franz Musiker werden wollte,
wegen Pussies und Drogen und Abbildungen in Jugendmagazinen, kann man hier
hören. Sich ihrer selbst bewusste Kunst, die mal nicht nach steif-prätentiösem
Müll klingt, sondern alt wie aller Klang selbst.


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