Einen Platz im Terminkalender von Promoleuten und ihren Bands zu erhaschen ist wie das Date mit dem Mädchen, von dem ihr schon immer geträumt habt. Wenn es endlich klappt, solltet ihr euch glücklich schätzen und nichts, aber auch gar nichts dazwischen kommen lassen. Was auch immer passiert, lasst es nicht dazu kommen, orientierungslos am Arsch der Welt (München) im Tourbus der anderen Band aufzuwachen, die ihr am Vorabend gesehen habt (Berlin).
Vice: Wie habt ihr euch gefühlt, als unsere Interviewerin Ani euch versetzt hat?
Donald: Mein Herz ist in lauter kleine Splitter zerborsten. Ich habe mir vom Tontechniker ein bisschen Gaffer-Tape geliehen, aber das hat nicht gereicht und dann habe ich diesen komischen deutschen Kleber genommen und mein Herz zusammengeklebt. Es ist ziemlich zerbrechlich seit dieser DIY-Aktion, ich glaube ich muss ziemlich bald ins Krankenhaus.
Wade: Um ehrlich zu sein, tun die Leute uns einen Gefallen, wenn sie nicht kommen. Jeder der absagt, bedeutet mehr Freizeit für uns. Wir verehren sie. Wir zünden Kerzen an und beten für sie.
Und wie würdet ihr reagieren, wenn ich euch sagen würde, dass sie nicht kommen konnte, weil sie als Anhalterin im Glasvegas-Tourbus mit nach München gefahren ist?
Donald: Schade, dass sie nicht kommen konnte. Sie hört sich cool an. Auf jeden Fall mein Typ Frau. Ich mag sie jetzt schon. Sag ihr, wir versuchen uns das nächste mal zu treffen. Wenn sie wirklich will, können wir es im März noch mal probieren.
Nick: Oder sag ihr, sie soll nach Manhattan kommen und mich über Myspace anschreiben, wenn sie hier ist. Ich lebe am St. Mark’s Place und da können wir ein ordentliches Interview arrangieren, du weißt schon, mit Bademänteln, ätherischen Ölen, Räucherstäbchen und gedimmtem Licht.
Das ist jetzt aber nicht gerade das, was ich unter öffentlichem Dissen verstehe. Was macht ihr nach heute abend noch?
Donald: Wir touren mit den Pigeon Detectives.
Denkt ihr, dass ist strategisch schlau?
Donald: Ich weiß nicht so recht.
Um an dieser Stelle noch ein paar Worte mehr aus The Virgins herauszukriegen, habe ich sie gebeten, das Electronic Beats Festival zu reviewen, bei dem ich am Vorabend am Postbahnhof war und echt keinen Bock hatte, darüber zu schreiben. Die Jungs haben also mit mir—obwohl sie selbst nicht mal dort gewesen waren—ihre Gedanken zu Santogold, Hercules and Love Affair und Peaches geteilt.
Donald: Als Santogold auf die Bühne kam, war die Luft schon zum Schneiden. An ihrer Körperhaltung konnte man sehen, dass sie es jemandem zeigen wollte. Vielleicht nicht dem Publikum, aber auf jeden Fall sich selbst. Ich sah den Schimmer in ihren Augen und wusste, dass es seine magische Nacht werden würde. Nach ihrem ersten Ton fiel ich in Ohnmacht.
Wade: Hercules and Love Affair haben einen interessanten Namen und ihr Sound erinnert an den Namen, was seine Interessantheit betrifft.
Nick: Ich dachte Peaches hat jetzt schon die Stratosphäre der Popmusik hinter sich gelassen und ist in ein Universum vorgedrungen, das bis jetzt noch von Musikjournalisten undefiniert ist.
NEALE LYTOLLIS


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