
Während sich Tao Lins neues Buch Gute Laune wie die zeitgenössische Version von Alice im Wunderland liest, ist er selbst weniger Alice und wahrscheinlich mehr eine männliche Mary Poppins. Tao lebt am Rande von Williamsburg in New York, ist 25 und seine Hände sind zerkaut wie die von einem Schuljungen. Auf seinem kurzen Deutschlandbesuch zur Leipziger Buchmesse haben wir ihn zum Salatessen nach Berlin-Mitte gebeten, um mit ihm die Depression seiner Generation und Fotos von Hunden, Mohnstreuselkuchen und pinken Gasleitungen zu diskutieren.

VICE: Hey, ich habe es leider nicht geschafft, dein Buch zu lesen. Worum geht es?
Tao: Das erzähle ich dir sofort, ich muss mir nur gerade mal einen Tee holen. Ich bin ziemlich müde...
(Er geht und holt sich einen ökologischen angebauten Tee, an den er sich während des gesamten Interviews klammert, wie ein Koala an einen Eukalyptusstamm.)
Ok, jetzt können wir anfangen. Also, es geht um einen ziemlich depressiven Typen in Florida, der bei Domino’s arbeitet und den ganzen Tag Pizza ausliefert und mit seinen Freunden abhängt. Es passiert die ganze Zeit über eigentlich nichts. Er ist einfach nur deprimiert.
Glaubst du, dass Fast Food und Depression in einem Kausalzusammenhang stehen?
Ja! Aber er isst das Essen nicht. Er mag es nur, die Pizza auszuliefern und in der Gegend herumzufahren. Das monotone daran gefällt ihm und er kann dabei traurige Musik hören.
Ok! Du scheinst aber selbst auch ziemlich traurig zu sein, warum bist so traurig?
Ich würde es eher als kleine Depression bezeichnen. Aber diese Traurigkeit brauche ich, um produktiv zu sein. Ich mag es nicht, unter Menschen zu sein. Wenn ich depressiv bin, fühle ich mich nicht gut und nicht schlecht. Es ist eine große Gleichgültigkeit. Wenn ich mich schlecht fühle, versuche ich immer etwas richtig, richtig ungesundes zu essen. Ich esse zum Beispiel Nudeln und dann fühle ich mich besser.
Nudeln?
Na ja, du musst wissen, dass ich mich verdammt gesund ernähre und wirklich darauf achte, was ich esse. Wenn ich weißes Brot esse, ist das ziemlich ungesund.
Puha, du bist ja fast so unerträglich depressiv wie Kafka? Der hat auch die Hälfte seines Lebens geweint...
Genau, aber ich bin produktiver und er war depressiver als ich. Kafka hat auch oft einfach nichts gemacht. Das ist inzwischen mein fünftes Buch und ich habe zwei weitere, die bis 2010 veröffentlicht werden. Ich kann mich also entspannen.
Was für Musik hörst du, wenn du depressiv bist?
Emo-Musik, wie zum Beispiel Bright Eyes oder Sunny Day Real Estate und diese Band, die I hate myself heißt. Ich höre aber ständig traurige Musik und eigentlich immer die gleichen Songs...
Du weißt, dass es psychologische Studien dazu gibt, dass traurige Musik auf Repeat dich depressiv macht ... Es ist also ein Teufelskreis bei dir! Welchen Song hörst du gerade auf Repeat?
DENTL. Den Song habe ich mir ungefähr 500mal angehört.
Nicht "Dream of Evan and Chan“, oder?
Manchmal auch...
Wow, du bist aber wirklich seltsam. Und, was macht dich glücklich, außer Nudeln?
Ich koche gern Kaffee ... Viel Schlaf. Und Menschen, wenn ich sie mag.
Welche Leute sollen dein Buch lesen?
Teenager und Hipster.
Warum?
Weil die in meinem Alter sind. Sie sollen sich darüber Gedanken machen, was ich schreibe und über ihr Leben reflektieren.
Soll das dann eine Art Lebenshilfe sein?
Ich glaube nicht, dass ich irgendjemandem helfen kann. Sie sollen es einfach kaufen und lesen und sie sollen weniger depressiv sein. Vielleicht können sie freundlicher zu anderen Menschen sein...
Hier ein paar traurige Fotos, die der traurig Tao Lin zwischen Leipzig und Berlin gemacht hat....
MARTINA KIX
FOTOS: TAO LIN


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