Wir haben Post von einem Mädchen bekommen, das glaubt, wir seien eine Art Herzblatt für adoleszierende Verlierer, und uns bittet, ihren kleinen Bruder für sie unter die Haube zu bringen. Statt sie über ihren Irrtum aufzuklären (Ihr werdet nie auch nur auf hundert Meter an eines der Kern-Models herankommen), haben wir uns entschieden, ihren kleinen Aufruf hier zu veröffentlichen.
Irgendjemand dachte wohl, er könnte uns helfen und wäre ziemlich clever, als er dieses DON'T fotografiert und uns seinen Kommentar dazu geschickt hat. Wir haben jetzt kein Problem mit einer weiblichen Neuauflage des kanadischen Maßanzugs, aber wir stimmen auf jeden Fall dem scharfsinnigen Typen zu, der uns dieses Foto geschickt hat und meint, dass dieses Denim-Outfit hier ziemlich Richtung flattrig tendiert. (Wie kannst du überhaupt in einem Kokon aus Jeans laufen?) Aber wollte er mit seinem Kommentar jetzt auf die hässlichen, mit Haarspray beklatschen Bananen-Locken hinweisen, die so aussehen, als wären sie direkt aus einem heißen Conair-Glätteisen gezogen worden? Eine wohlkalkulierte Ergänzung unseres alten Mode-Erzfeinds, des Flip Flops? Falsch gedacht. Lies weiter für seine Erklärung ...
Liebes Vice,
Wahrscheinlich interessiert euch die Finanzkrise genau so wenig wie Streetart und bei mir war das bis jetzt auch immer so. Aber ich habe letzte Woche meinen Vater in New York besucht und er haust da gerade wie der letzte Penner in einer saukalten Wohnung in Brooklyn, weil er wegen der Finanzkrise seinen Job verloren hat. Diese Wohnung ist so scheiße-kalt, dass ich es jetzt langsam mit anderen Augen sehe, dass in den ganzen New Yorker Serien alle immer auf den Stufen vor den Häusern abhängen—da ist es einfach genauso kalt wie drinnen und zumindest kann man da gleich seine Freunde treffen und eine rauchen...
Liebes Vice, ich dachte, ihr findet vielleicht diesen alten Schatz hier erwähnenswert. Sieht so aus, als hätte sie ausgehen wollen, um sich eine Limo im Cafe um die Ecke zu gönnen und sich dabei aus Versehen ein wenig mit ihrem Make-Up verkalkuliert. Gott segne sie.
Erinnert ihr euch an die Auktionen, von denen wir euch gestern erzählt haben? Zuerst waren wir ganz verrückt nach der Omaspardose und haben uns ausgemalt, was man von dem Geld alles für unsere Redaktion kaufen könnte. Dann überfiel uns für ein paar Sekunden die Sensationsgeilheit und wir fühlten uns magisch von der Ex-Freundinnen-Handtasche angezogen. Nach ein paar Sekunden ist aber auch dieser Anflug der moralischen Entrüstung gewichen und wir bezweifelten die Echtheit dieser Geschichten. Nun hat sich der Verkäufer bei uns gemeldet, herzlich und wütend zugleich. Außerdem hatte keiner von uns Recht, aber lest selbst.
Meine polnische Kusine Paulina hat mir ein paar alte Bootleg-Kassetten aus den Achtzigern geschickt. Die wurden auf einem Metal-Festival im postkommunistischen Polen mit einem Kassettenrekorder aufgenommen. Das war zu der Zeit offensichtlich der einzige Weg, wie diese Musik unters Volk gebracht werden konnte. Und es war mein erster Eindruck vom Jarocin Festival...
Liebes Vice, als die Sowjets Ende der Achtziger Afghanistan verlassen haben, haben sie neben dem Blut und den Knochen von tausendem Soldaten auch einen tiefen Hass für alles Russische und Milliardenschweres Equipment hinterlassen. Muss man sich da noch wundern, dass Jahre später deren Volkswirtschaft zusammenklappt? Das meiste rottet und rostet dort vor sich hin, wo es zurückgelassen wurde, oder auf den Müllhalden. Wenn die Afghanen nur ein klein bisschen ambitionierter und besser organisiert wären, würden sie das ganze Zeug auseinander nehmen und recyceln. Könnte ja durchaus sein, dass man manche der Maschinen wiederherstellen, einige der Autos retten und vor allem das Metal, Gummi und Glas noch nutzen kann. Ich bin mir sicher, dass der ein oder andere sich hier oder da mal durch einen Trümmer- und Müllberg gewühlt hat, aber es gab nie eine organisierte Anstrengung in der Richtung. Das Zeug liegt hier bestimmt in 50 Jahren immer noch herum. Hier sind ein paar Fotos davon. GREG PAPADATOS
Vielen Dank, liebe Leser, endlich gibt es wieder Wahnsinn, explodierende Köpfe und 18-jährige Abiturienten, die auf Speed ihre Gehirne auf ein oder mehrere Blätter Papier rotzen. Nachdem wir uns in der letzten Ausgabe darüber beschwert hatten, keine richtigen Briefe mehr zu bekommen, habt ihr euch plötzlich zahlreich unser erbarmt und wieder damit angefangen, uns welche zu schicken. Neben ein paar reizvollen Briefen von weiblichen Teenagern, die ihre Briefe gern mit Fotos von sich, Blümchen und Herzchen verzieren, bekamen wir neulich mal wieder einen Brief, der, so scheint es, direkt aus der Nervenheilanstalt oder eben aus einer Kneipe kam. Geschrieben auf Kellnerblöcken, irgendwo in Thüringen, verziert mit Metallicalogo und selbstgemalten Muscheln und Zeichentrickfiguren. Wir haben haben euch Auszüge aus dem Brief online gestellt, also lest selbst.
Hallo Vice,
ich habe euch schon einmal geschrieben, um euch von dem phänomenalen Erinnerungsvermögen zu erzählen, das meine Freundin an den Tag legt, wenn es um Gesichter geht. Danach ist mir aber noch eine Begebenheit eingefallen, die man sozusagen als die Genesis des Phänomens, als seine Entdeckung bezeichnen könnte. Und obwohl es etwas länger zurückliegt als das letzte Beispiel, glänzt es vielleicht sogar durch noch ein bisschen mehr Abwegigkeit: Als sie Anfing zu studieren, meinte sie, als sie auf einem Plakat ein Bild von Hannah Arendt (!) erblickte: "Hey, guck mal, das ist doch mein Professor so und so." (siehe linkes Bild). Weder ich noch jemand anderes wusste in diesem Moment perplexerweise etwas zu sagen, aber im Nachhinein lache ich mir jedes Mal in Anbetracht dieser Anti-Fähigkeit die Seele aus dem Leib.
Hi Vice, meine Freundin hat wahrscheinlich das schlechteste Gesichter-Gedächtnis der Welt. Ich habe sie jahrelang überzeugen müssen, dass zum Beispiel die Frau, die wir auf der Straße gerade getroffen haben, unsere Nachbarin gewesen ist. Sie meinte dann nur so was wie: „So ein Scheiß, du willst mich doch verarschen, niemals! Die sieht doch total anders aus.“ Es gibt unzählige solcher Vorfälle, aber um euch zu beweisen, wie schlimm es wirklich ist, ist hier das Bild von dem Typen auf dem Cinemaxx-Werbeplakat für diesen schwulen "Männerabend", den sie wirklich (ich meine: wirklich) für WILL SMITH gehalten hat!
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